Werbung & Attribution

ChatGPT-Werbung kommt nach Europa: Was das für deinen Shop bedeutet

OpenAI hat am 18. August 2026 die Ausweitung von ChatGPT Ads auf 31 europäische Märkte angekündigt. Was belegbar ist — wer die Anzeigen sieht, wie sie eingekauft werden, was du bewerben darfst und was auf deiner Website funktionieren muss, bevor du überhaupt starten kannst.

Kurz gefasst:

  • OpenAI hat am 18. August 2026 die Ausweitung von ChatGPT Ads auf 31 europäische Märkte angekündigt. Die englische Fassung spricht von „nächster Woche“, die tschechische Fassung derselben Seite nennt den 24. August 2026.
  • Anzeigen erscheinen nur bei Nutzern der Tarife Free und Go. Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu sehen keine — ebenso wenig Konten, die als unter 18 eingestuft werden.
  • Gebucht wird zunächst über das Ads-Solutions-Team von OpenAI und Partner. Am 20. August 2026 listete die offizielle Verfügbarkeitstabelle den Self-Service-Anzeigenmanager in neun Ländern außerhalb von EU und EWR — kein europäisches Land war dabei.
  • Der offizielle Standortkatalog zum Download enthält 41 Länder, davon 32 europäische.
  • Personalisierte Anzeigen sind im EWR und in der Schweiz zunächst nicht verfügbar — in Europa entscheidet vor allem der Kontext des aktuellen Gesprächs.
  • Ohne crawlbare Zielseite keine Anzeigen. Seiten, die OpenAI nicht prüfen kann, sind nicht auslieferungsfähig.
ChatGPT-Werbung kommt nach Europa — Ankündigung von OpenAI vom 18. August 2026

Ein neuer Kanal, zu dem noch niemand Daten hat

Wer heute einen Staubsauger, ein Sofa oder ein Geschenk sucht, startet immer seltener in einer Suchmaschine. Man beschreibt ChatGPT, was man braucht, was einen einschränkt und worauf es einem ankommt — und lässt sich beraten. OpenAI selbst nennt ChatGPT den Ort, „an dem Entscheidungen entstehen“.

In diese Entscheidungen tritt jetzt Werbung. OpenAI hat Anzeigen in ChatGPT am 9. Februar 2026 in den USA zu testen begonnen, den Test in einem halben Jahr auf acht weitere Märkte ausgeweitet und am 18. August 2026 die bislang größte Erweiterung angekündigt: 31 europäische Länder.

Dieser Artikel versucht, Belegbares von begeistertem Raten zu trennen. Alles Folgende stammt aus den Ankündigungen von OpenAI, aus dem Hilfecenter für Werbetreibende, aus den Werberichtlinien und aus dem offiziellen Standortkatalog. Nichts ist hochgerechnet oder ergänzt. Wo OpenAI etwas nicht angibt, steht das im Text.


Was OpenAI genau angekündigt hat

Die Ankündigung vom 18. August 2026 besagt, dass ChatGPT Ads auf 31 europäische Länder ausgeweitet wird, und nennt neun davon: Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Schweden, Norwegen, Dänemark, die Niederlande und Österreich. Die vollständige Liste aller 31 steht nicht darin.

Aufschlussreicher ist deshalb der offizielle Standortkatalog, den OpenAI direkt im Hilfeartikel zur Kampagnenerstellung zum Download anbietet. Er enthielt am 20. August 2026 41 Länder, davon 32 europäische. Großbritannien steht in der Verfügbarkeitstabelle bereits als aktiv und wird in der Ankündigung zur Europa-Ausweitung nicht genannt — es bleiben also genau 31 weitere europäische Länder, was der Zahl aus der Ankündigung entspricht. Der Katalog geht auch deutlich unter die Länderebene: 767 Regionen, 210 TV-Regionen und über 461.000 Postleitzahlen über alle Märkte hinweg.

Ein Vorbehalt gehört klar gesagt: Im Katalog zu stehen heißt nicht, dass jede Ebene sofort nutzbar ist. Das Hilfecenter beschreibt Targeting auf Länderebene und nennt feineres Targeting (Bundesstaat, Media-Markt, Postleitzahl) ausdrücklich für die USA — mit dem Hinweis, dass die Standortverfügbarkeit je nach Land variiert und beim Anlegen der Kampagne in der Standortauswahl zu prüfen ist.

Wie sich buchen lässt. Zunächst über das Ads-Solutions-Team von OpenAI, Agenturpartner und Technologiepartner. Die Ankündigung vom Mai 2026 nannte als Agenturpartner Dentsu, Omnicom, Publicis und WPP sowie als Technologiepartner unter anderem Adobe, Criteo, Kargo, Pacvue und StackAdapt. Der Self-Service-Anzeigenmanager soll „später im Sommer“ folgen. Die offizielle Verfügbarkeitstabelle nannte am 20. August 2026 neun Länder: Australien, Brasilien, Kanada, Japan, Korea, Mexiko, Neuseeland, Großbritannien und die USA. Kein EU- oder EWR-Land war bislang dabei.


Wer die Anzeigen überhaupt sieht

Diese Zahl solltest du bei der Budgetplanung griffbereit haben: Laut Hilfecenter von OpenAI können Anzeigen nur bei Nutzern der Tarife Free und Go erscheinen. Konten mit Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu haben keine Werbung und bekommen auch keine.

Weitere Einschränkungen, die OpenAI angibt:

  • Anzeigen werden Konten nicht gezeigt, die als unter 18 Jahre eingestuft werden — anhand der Altersangaben im Konto und, wo verfügbar, einer Altersschätzung.
  • Temporäre Chats zeigen keine Anzeigen.
  • Während des Tests erscheinen Anzeigen nicht im Browser ChatGPT Atlas.
  • Nutzer im Free-Tarif können eine werbefreie Variante wählen — im Tausch gegen niedrigere Nachrichtenlimits und eingeschränkten Zugriff auf einzelne Werkzeuge.
  • Anzeigen sind nicht zugelassen in der Nähe sensibler oder regulierter Themen, darunter körperliche Gesundheit, psychische Gesundheit und Politik.

Und ein Satz, den OpenAI in allen Unterlagen wiederholt: Werbung beeinflusst die Antworten von ChatGPT nicht. Das Anzeigensystem läuft getrennt vom Modell, Werbetreibende können Antworten weder formen noch ranken noch verändern. Anzeigen erscheinen unter dem Ende einer Antwort, sind als gesponsert gekennzeichnet und visuell abgesetzt.

Für europäische Werbetreibende ist ein weiterer Satz aus dem Hilfecenter wichtig: Personalisierte Anzeigen sind im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz zunächst nicht verfügbar. In der Praxis heißt das, dass die Anzeigenauswahl in Europa vor allem am Kontext des aktuellen Gesprächs hängt, nicht am Chatverlauf und am Gedächtnis. Das hat zwei Seiten — weniger Signal fürs Targeting, dafür deutlich weniger Erklärungsbedarf im Datenschutz-Audit.


Drei Einkaufswege, eine Auktion

Das Format ist schlicht und gut dokumentiert. Jede Anzeige enthält den Namen des Werbetreibenden, ein Favicon, eine Überschrift, einen Beschreibungstext, eine Zielseite und ein Bild.

CPMCPCoCPC
Wofür du zahlsttausend Impressioneneinen gültigen Klickeinen gültigen Klick
Worauf optimiert wirdReichweiteKlicksdein gewähltes Konversionsereignis
Wann es Sinn ergibtmaximale SichtbarkeitMenschen auf die Seite holensie bis zum Kauf bringen

Den Zuschlag entscheidet eine relevanzgewichtete Zweitpreisauktion. Das Höchstgebot legst du auf Ebene der Anzeigengruppe fest; für Klickkampagnen empfiehlt OpenAI einen Start bei 3–5 USD pro Klick. Bei Konversionskampagnen (oCPC) ist das Gebot konversionsorientiert — das System leitet daraus ein Klickgebot für die Auktion ab —, abgerechnet wird aber weiterhin pro Klick, nicht pro Konversion.

Ein paar betriebliche Details, die man vor der ersten Kampagne kennen sollte:

  • Das Kampagnenziel lässt sich nach dem Anlegen nicht ändern. Auch das Konversionsereignis bei oCPC nicht. Anderes Ziel? Neue Kampagne.
  • Das Gesamtbudget einer Kampagne ist eine Obergrenze, kein Pacing-Werkzeug. OpenAI weist ausdrücklich darauf hin, dass die Ausgaben nicht gleichmäßig über die Laufzeit verteilt werden und bei guter Passung schnell anlaufen können. Für den Start wird ein Tagesbudget empfohlen.
  • Der Budgettyp lässt sich nicht immer zurückwechseln — von Gesamt- auf Tagesbudget ja, zurück nicht.
  • Targeting ist auch nach Plattform möglich: iOS-App, Android-App oder Web (Desktop und mobiles Web).

Das Mindest-Tagesbudget hängt von der Abrechnungswährung des Werbekontos ab. OpenAI hat bislang Werte für zehn Länder veröffentlicht — darunter 25 USD für die USA und 15 GBP für Großbritannien, den einzigen europäischen Eintrag. Einen Wert für die Eurozone hat OpenAI zum Zeitpunkt dieses Artikels nicht veröffentlicht — und Raten hilft hier nicht.


Kontexthinweise sind keine Keywords

Hier unterscheiden sich ChatGPT Ads am deutlichsten von keywordbasierten Systemen.

Auf Ebene der Anzeigengruppe hinterlegst du Kontexthinweise — eine Beschreibung der Gespräche, Themen oder Begriffe, bei denen dein Produkt relevant sein kann. OpenAI schreibt dazu ausdrücklich, dass es sich nicht um Keywords mit exakter Übereinstimmung handelt und dass sie die Auslieferung in bestimmten Gesprächen nicht garantieren. Das System kombiniert sie mit Kontext und Absicht des aktuellen Gesprächs, der Zielseite, der Überschrift und dem Text.

Daraus folgt eine Empfehlung, die OpenAI direkt ausspricht und die für Onlineshops entscheidend ist: Setze auf Menge und Vielfalt an Anzeigen, nicht auf einen perfekt gefeilten Satz. Mehr Varianten von Überschrift und Text je Angebot geben dem System mehr Gelegenheiten, ein passendes Gespräch zu finden. Und jede Variante soll einen anderen Blickwinkel bringen, nicht denselben umformulieren.

Zur gleichen Logik gehört der Rat zu Zielseiten: Verlinke auf die relevanteste Stelle — eine Produktseite oder Kategorie, nicht standardmäßig auf die Startseite.


Was beworben werden darf und was nicht

Die Werberichtlinien von OpenAI (Version 1.4, aktualisiert am 10. August 2026) sind in dieser frühen Phase bewusst eng. Erlaubt sind vor allem:

  • Konsum- und Haushaltswaren,
  • lokale Dienstleistungen,
  • Reisen und Erlebnisse,
  • digitale Produkte und Bildung.

„Alle übrigen Kategorien sind zum Start unzulässig“, schreibt OpenAI. Für Onlineshops sind diese Punkte am heikelsten:

  • Alkohol und Tabak — verboten, einschließlich Getränken über 0,5 % vol, Zigaretten, Vaping und Nikotinprodukten.
  • Nahrungsergänzungsmittel — erlaubt sein können solche, die breit im regulären Handel verkauft werden, sofern sie keine Gesundheitsaussagen treffen. Diätpillen, Detox-Programme und Präparate mit unbelegten Gesundheitsversprechen sind es nicht.
  • Gesundheitsprodukte und -dienstleistungen außerhalb der USA — generell untersagt. Allgemeine Wellness- und Fitnessware ohne medizinische Aussagen kann erlaubt sein.
  • Finanzdienstleistungen außerhalb der USA — generell untersagt. Werkzeuge, die selbst kein Finanzprodukt anbieten (Budget-Apps, Kurse), sind in der Regel erlaubt.
  • Glücksspiel — verboten. Ausnahme sind Unterkunft und Erlebnisse, bei denen Glücksspiel nicht im Mittelpunkt steht.
  • CBD — nicht berauschende Hanfprodukte ohne THC (Cremes, Öle) können erlaubt sein; THC-Produkte nicht.
  • Unterwäsche und Bademode — erlaubt in üblicher Mode- oder Handelsdarstellung, nicht in einer auf sexuelle Erregung ausgerichteten.
  • Fälschungen, konkrete Stellen- oder Immobilienanzeigen, Rechtsdienstleistungen, politische Inhalte — verboten.

Geprüft werden alle Bestandteile zusammen — Text, Bild und Zielseite. OpenAI hält ausdrücklich fest, dass ein genehmigtes Creative nicht auf ein Ziel führen darf, das unzulässige Inhalte einbringt; das eigene Beispiel ist eine Lieferdienst-Anzeige, die zur Alkohollieferung führt.

Die meisten Prüfungen laufen automatisiert — OpenAI gibt an, Sprachmodelle und Klassifikatoren mit menschlicher Aufsicht einzusetzen und in sensiblen Kategorien zusätzliche Verifizierung sowie manuelle Prüfung vorzusehen. Und der betrieblich wichtigste Satz: Anzeigen und Zielseiten, die die Systeme nicht prüfen können, sind nicht auslieferungsfähig.


Die technische Bedingung, die die meisten vergessen

Das ist der Teil, den Marketing-Zusammenfassungen auslassen — und über den die IT entscheidet, nicht das Marketing.

OpenAI nutzt den Crawler OAI-AdsBot, um zu prüfen, ob die Zielseite den Richtlinien entspricht — und verwendet den Seiteninhalt auch dafür, zu entscheiden, wann die Anzeige relevant ist. Ohne erreichbare Seite wird die Anzeige nicht genehmigt.

Der Leitfaden für Werbetreibende nennt vier Schichten, die das typischerweise brechen:

  1. robots.txt — der Crawler hält sich an die Regeln; ist ein Pfad gesperrt, endet das Crawlen sofort. Das Beispiel von OpenAI:
User-agent: OAI-SearchBot
Allow: /

User-agent: OAI-AdsBot
Allow: /
  1. Webschutz und Bot-Abwehr — Cloudflare, Akamai und ähnliche Dienste liefern legitimen Crawlern 403. Laut OpenAI ist OAI-AdsBot bei Cloudflare offiziell verifiziert und zugelassen.
  2. Menschenprüfung — CAPTCHAs, JavaScript-Challenges, Verhaltensanalyse. Ein automatisierter Client kommt da nicht durch.
  3. Rate-Limiting — Massen-Uploads von Anzeigen können Drosselung auslösen; achte auf 429-Antworten.

Wenn deine Infrastruktur eine feste IP-Liste braucht, veröffentlicht OpenAI openai.com/searchbot.json und openai.com/adsbot.json — empfiehlt aber selbst, eher auf User-Agent-Erkennung und die Verifizierungsprogramme der Anbieter zu setzen.

Noch ein praktischer Hinweis aus dem Leitfaden: Das Ziel soll eine direkt erreichbare Webseite sein. App-Store-Links, Deeplinks, Dokumente oder Ziele, die eine App, ein Login oder regionalen Zugang verlangen, liefern womöglich zu wenig crawlbaren Inhalt für die Prüfung.


Messung: Was geht und was nicht

Das Reporting im Anzeigenmanager umfasst Impressionen, Klicks, Ausgaben, Klickrate, durchschnittlichen CPC, durchschnittlichen CPM und Konversionen.

Konversionen werden auf zwei Wegen gemessen, die sich kombinieren lassen: über ein Mess-Pixel im Browser und über die serverseitige Conversions API. Das Pixel unterstützt Standardereignisse, die jeder Shop sofort erkennt — unter anderem page_viewed, contents_viewed, items_added, checkout_started und order_created, dazu lead_created, registration_completed, subscription_created und trial_started. Schickst du dieselbe Konversion über beide Wege, verwende dieselbe Ereignis-ID, damit OpenAI sie nur einmal zählt.

Daneben lassen sich eigene UTM-Parameter an die Ziel-URLs hängen — sie bleiben beim Klick erhalten, sodass der Traffic aus ChatGPT Ads auch in deiner eigenen Analyse auftaucht. In den ersten Monaten eines neuen Kanals ist das der günstigste Weg zu einem unabhängigen Bild.

Was nicht geht: an die Gesprächsinhalte kommen. Werbetreibende sehen laut OpenAI weder Chats noch Chatverlauf, Gedächtnis oder persönliche Daten — sie erhalten aggregiertes, nicht identifizierendes Leistungsreporting.

Sicht des Herausgebers — Michal Baloun, Mitgründer

Spannender als der Start selbst ist für mich ein Satz aus dem Hilfecenter von OpenAI: Der Inhalt der Zielseite wird genutzt, um zu entscheiden, wann die Anzeige relevant ist. Das ist eine andere Welt als Keywords. Du legst nicht fest, woran du dich hängst — du beschreibst eine Situation, und das System ordnet deine Seite selbst zu. Wer Produktseiten mit zwei Sätzen Beschreibung und einer Datentabelle hat, bekommt auch gegen Bezahlung keine Chance.

Zweitens etwas, das wir in Shops immer wieder sehen und das sich hier schnell rächt: eine Zielseite, die der Bot-Schutz blockiert. Viele Shops haben Cloudflare-Regeln aktiv, von denen im Marketing niemand weiß, weil sie nur automatisierten Traffic betreffen. Suchmaschinen stört das nicht. Hier ist es eine Genehmigungsbedingung — und der Fehler zeigt sich als „Anzeige wurde nicht genehmigt“, nicht als „Firewall blockiert einen Crawler“.

Und drittens: Wiederholen wir bitte nicht den Fehler der frühen Performance-Jahre, einen neuen Kanal nur deshalb am Werbeertrag zu messen, weil nichts anderes zur Hand war. Ein Kanal, der Menschen mitten in der Entscheidung abholt, bringt andere Bestellungen als Remarketing — anderer durchschnittlicher Bestellwert, andere Retourenquote, anderer Produktmix. Ob er sich lohnt, zeigt sich erst an der Marge nach Einkaufspreisen, Versand und Retouren. Nicht am Umsatz.


So rechnest du aus, ob es sich lohnt

Bevor du den ersten Euro schickst, brauchst du eine Zahl: den Werbeertrag, bei dem du bei null bist. Die Formel ist eine Division — 100 geteilt durch deine Nettomarge in Prozent.

Ein Rechenbeispiel (Modellzahlen, nicht gemessen): Ein Shop mit 20 % Nettomarge ist bei einem Werbeertrag von 5,0 bei null. Bei 30 % Marge reichen 3,3. Der Unterschied zwischen diesen beiden Shops ist gewaltig — und beide können denselben Umsatz ausweisen.

Ein sinnvolles Vorgehen für einen neuen Kanal ohne Historie:

  1. Rechne deine Nettomarge der letzten 90 Tage aus — Umsatz minus Einkaufspreise, Versand, Marketing und Betriebskosten.
  2. Leite deine Nullgrenze ab und darüber ein gesundes Niveau (üblich sind 20 % Puffer).
  3. Versieh die Ziel-URLs mit UTM-Parametern, damit du unabhängig vom Plattform-Reporting misst.
  4. Erfasse die Ausgaben als Kosten in deiner Ertragsrechnung — sonst bläht der neue Kanal den Umsatz auf und die Marge fällt „rätselhaft“.
  5. Bewerte nach Produkten, nicht als Summe. Ein Kanal, der auf die Entscheidungsphase zielt, zieht oft einen anderen Mix als erwartet.

So sieht eine Empfehlung von Margly aus

Margly hat noch keine Integration für ChatGPT Ads — die Ausgaben trägst du im Modul Kosten manuell ein, wie bei jeder Plattform ohne Anbindung. Was Margly aber schon leisten kann, bevor du den ersten Euro schickst:

  • Die Nullgrenze aus deinen Daten, nicht aus einer Schätzung. Margly berechnet den Break-even-Werbeertrag aus der Nettomarge nach Einkaufspreisen, Logistik, Marketing und Betriebskosten — nicht aus der Bruttomarge, die die Hürde systematisch zu niedrig ansetzt.
  • Ertrag je Produkt. Bevor du entscheidest, welche Produkte überhaupt in einen neuen Kanal gehen, hilft es zu wissen, welche Marge tragen und welche nur Umsatz.
  • Kosten an einer Stelle. Manuell erfasste Ausgaben fließen in dieselbe Nettomargenrechnung wie angebundene Kanäle, sodass ein neuer Kanal das Gesamtbild nicht verzerrt.

Keine dieser Zahlen ist geschätzt — alle stammen aus den Bestellungen, Einkaufspreisen und Kosten deines Shops.


Was du diese Woche tun solltest

Ob du sofort wirbst oder erst in einem halben Jahr — diese vier Punkte lohnen sich jetzt, und drei davon helfen auch außerhalb von ChatGPT:

  1. Prüfe die robots.txt. Erlaube OAI-AdsBot und OAI-SearchBot. Das dauert fünf Minuten und ist harte Voraussetzung.
  2. Prüfe, ob deine Zielseiten einem automatisierten Client antworten. Ruf eine eigene Produktseite ohne Browser ab. Ein 403 oder ein CAPTCHA heißt: Problem, bevor du beginnst.
  3. Geh die Werberichtlinien gegen dein Sortiment durch. Alkohol, Präparate mit Gesundheitsaussagen, THC oder Finanzdienstleistungen bedeuten, dass dieser Kanal vorerst nichts für dich ist.
  4. Ermittle deine Nullgrenze. Wenn der Self-Service-Anzeigenmanager in Europa öffnet, ist eine Entscheidung schon getroffen.

Interesse anmelden kannst du unter ads.openai.com. Und die ehrliche Zusammenfassung des Rests: Was Werbung in ChatGPT europäischen Shops tatsächlich bringt, weiß heute niemand — die ersten Daten kommen erst aus dem europäischen Betrieb. Bis dahin ist es redlich, über das Belegte zu sprechen und den Rest der Messung zu überlassen.

Häufige Fragen

Wann sind ChatGPT Ads in Europa verfügbar?

OpenAI hat die Ausweitung am 18. August 2026 angekündigt. Die englische Fassung spricht von „nächster Woche“, die tschechische Fassung derselben Seite nennt den 24. August 2026 — für 31 europäische Länder.

Zunächst lassen sich Anzeigen über das Ads-Solutions-Team von OpenAI, Agenturpartner und Technologiepartner buchen. Der Self-Service-Anzeigenmanager soll laut englischer Fassung später im Sommer folgen; die tschechische Fassung übersetzt „später in diesem Quartal“.

Sehen alle ChatGPT-Nutzer Werbung?

Nein. Laut Hilfecenter von OpenAI können Anzeigen bei Nutzern der Tarife Free und Go erscheinen. Konten mit Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu haben keine Werbung.

OpenAI zeigt zudem keine Anzeigen an Konten, die als unter 18 Jahre eingestuft werden. In temporären Chats erscheinen keine Anzeigen, während des Tests auch nicht im Browser ChatGPT Atlas. Nutzer im Free-Tarif können außerdem eine werbefreie Variante wählen — gegen niedrigere Nachrichtenlimits.

Welche europäischen Länder kann ich targeten?

Die Ankündigung nennt neun der 31 europäischen Länder: Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, Schweden, Norwegen, Dänemark, die Niederlande und Österreich. Die vollständige Liste steht dort nicht.

Der offizielle Standortkatalog, den OpenAI im Hilfeartikel zur Kampagnenerstellung zum Download anbietet, enthielt am 20. August 2026 41 Länder, davon 32 europäische. Im Katalog zu stehen garantiert allerdings nicht, dass jede Targeting-Ebene nutzbar ist — laut Hilfecenter variiert die Standortverfügbarkeit je nach Land und ist in der Standortauswahl zu prüfen.

Was kostet Werbung in ChatGPT?

Eingekauft wird nach Tausend-Kontakt-Preis (CPM), Kosten pro Klick (CPC) oder konversionsoptimiertem Klickpreis (oCPC). Den Zuschlag entscheidet eine relevanzgewichtete Zweitpreisauktion.

Für Klickkampagnen empfiehlt OpenAI, mit einem Höchstgebot von 3–5 USD pro Klick zu starten. Das Mindest-Tagesbudget hängt von der Abrechnungswährung des Werbekontos ab; OpenAI hat Werte für zehn Länder veröffentlicht, aus Europa ist nur Großbritannien mit 15 GBP dabei. Einen Wert für die Eurozone gibt es zum Zeitpunkt dieses Artikels nicht.

Was darf in ChatGPT nicht beworben werden?

In der frühen Phase sind vor allem Konsum- und Haushaltswaren, lokale Dienstleistungen, Reisen und Erlebnisse sowie digitale Produkte und Bildung erlaubt.

Verboten sind unter anderem Alkohol über 0,5 % vol und Tabak, Glücksspiel, Erwachseneninhalte, Freizeitdrogen einschließlich THC, Fälschungen, politische Inhalte, Rechtsdienstleistungen sowie Anzeigen für konkrete Stellen- oder Immobilienangebote. Finanz- und Gesundheitsdienstleistungen außerhalb der USA sind generell untersagt, Nahrungsergänzungsmittel nur ohne unbelegte Gesundheitsaussagen erlaubt.

Was muss auf meiner Website funktionieren, bevor ich werben kann?

Die Zielseite muss für den Crawler OAI-AdsBot erreichbar sein — damit prüft OpenAI, ob Anzeige und Seite den Richtlinien entsprechen, und nutzt den Seiteninhalt auch, um zu bestimmen, wann die Anzeige relevant ist.

Du musst ihn in der robots.txt erlauben, und Firewall, CDN, Bot-Schutz, CAPTCHA oder Rate-Limiting dürfen ihn nicht blockieren. OpenAI empfiehlt zusätzlich, OAI-SearchBot zuzulassen. Seiten, die sich nicht prüfen lassen, sind nicht auslieferungsfähig — und der Leitfaden warnt ausdrücklich davor, sich auf eine manuelle Umgehung zu verlassen.

Beeinflusst Werbung die Antworten von ChatGPT?

Nein. OpenAI gibt an, dass Anzeigen auf vom Chatmodell getrennten Systemen laufen und Werbetreibende Antworten weder formen noch ranken noch verändern können.

Anzeigen erscheinen unter dem Ende einer Antwort, sind als gesponsert gekennzeichnet und visuell abgesetzt. OpenAI betont zudem, dass eine eingeblendete Anzeige keine Empfehlung des Werbetreibenden bedeutet.

Woran erkenne ich, was mir ChatGPT Ads gebracht haben?

Das Reporting im Anzeigenmanager umfasst Impressionen, Klicks, Ausgaben, Klickrate, durchschnittlichen CPC und CPM sowie Konversionen. Gemessen wird über das Browser-Pixel, die serverseitige Conversions API oder beides — bei der Kombination dieselbe Ereignis-ID verwenden, damit eine Konversion nicht doppelt zählt.

Unabhängig davon: Häng eigene UTM-Parameter an die Ziel-URLs. Sie bleiben beim Klick erhalten, sodass der Traffic auch in deiner eigenen Analyse auftaucht. Und erfasse die Ausgaben in jedem Fall als Kosten in der Margenrechnung — sonst bläht der neue Kanal den Umsatz auf und die Rentabilität sinkt ohne sichtbaren Grund.

Michal Baloun ist Mitgründer von MirandaMedia und Margly und arbeitet mit tschechischen und slowakischen Onlineshops mit Jahresumsätzen von Millionen bis zu Hunderten Millionen Kronen. Sein Fokus liegt auf Unit Economics, Margentransparenz und den Entscheidungen, die skalierende Shops von stagnierenden trennen. Bei neuen Werbekanälen wiederholt sich dasselbe Muster: Die Begeisterung überholt die Messung, und ein halbes Jahr lang wird das Budget am Umsatz statt an der Marge beurteilt. Wenn du deine Nullgrenze kennen willst, bevor du sie brauchst, rechnet Margly sie dir aus deinen eigenen Bestellungen und Kosten aus.

Die genannten Marken ChatGPT, OpenAI und GPT sind Eigentum von OpenAI. Dieser Beitrag ist ein unabhängiger redaktioneller Text und entsteht weder in Zusammenarbeit mit OpenAI noch mit deren Zustimmung.